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Zecken

Zecken sind die wichtigsten Vektoren von veterinärmedizinischer sowie die zweitwichtigsten Vektoren humanmedizinisch relevanter Erkrankungen weltweit. Die in Deutschland vorkommenden Zecken lassen sich zwei Familien zuordnen, die sich recht deutlich voneinander unterscheiden, den Schildzecken (Ixodidae) und den Lederzecken (Argasidae). Von Letzteren existiert in Deutschland nur eine Art von humanmedizinischer Bedeutung, die Taubenzecke, Argas reflexus. Ihr Stich und der damit verbundene Speichelfluss können ernsthafte Irritationen und allergische Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock auslösen. Sie ist auf dem Land relativ selten, in Stuttgart, Mannheim, Karlsruhe und anderen Großstädten allerdings ein relativ häufiger Parasit von Stadttauben. In Deutschland kommen 17 Arten von Schildzecken vor, acht davon wurden in Baden-Württemberg gefunden.

Alle in Deutschland bekannten Ixodidae-Arten haben einen dreiwirtigen Entwicklungszyklus (siehe Abbildung). Das Weibchen legt seine Eier auf dem Boden unter organischen Materialen ab. Die Anzahl der Eier hängt von der jeweiligen Spezies ab; ein Weibchen von Ixodes ricinus, dem gemeinen Holzbock legt ca. 1000-2500 Eier, während weibliche Auwaldzecken (Dermacentor reticulatus) zwischen 2000 und 5000 Eier legen. Abhängig von Temperatur und Luftfeuchtigkeit dauert es einige Wochen, bis die Larven schlüpfen. Die Larve muss nun einen Wirt finden, normalerweise ist es ein kleines Säugertier oder ein Vogel, um Blut und andere Körpersäfte zu saugen, bis sie schließlich vollgesogen ist. Der Saugakt erstreckt sich über mehrere Tage, nach denen sich die vollgesogene Larve auf den Boden fallen lässt, wo sie sich innerhalb einiger Wochen zur Nymphe häutet. Diese folgt demselben Schema wie die Larve, findet einen neuen Wirt, saugt sich voll, lässt sich abfallen und häutet sich entweder zum Männchen oder zum Weibchen. Die Weibchen benötigen eine Blutmahlzeit, um die Eiproduktion und –ablage gewährleisten zu können. Der gesamte Entwicklungszyklus kann innerhalb eines Jahres (z.B. D. reticulatus) abgeschlossen werden oder benötigt mehrere Jahre (z.B. I. ricinus).

Zecken befinden sich nur zu einem kleinen Teil ihres Lebens auf dem jeweiligen Wirtstier, die meiste Zeit, bis zu 99%, verbringen sie damit, sich zum nächsten Stadium weiter zu entwickeln und auf Wirte zu warten. Dies bedeutet, dass Entwicklung und Aktivität während dieser Zeit von lokalen Umweltbedingungen, also z.B. der Temperatur und Luftfeuchtigkeit, abhängig sind. Bei Zeckenarten wie I. ricinus, D. marginatus (Schafzecke) und D. reticulatus bildet sowohl das Habitat in Wäldern und Graslandschaften als auch das Mikrohabitat diese Umgebung. Bei I. hexagonus (Igelzecke) und Rhipicephalus sanguineus (Braune Hundezecke), die stark an Wirtsnester bzw. in Mitteleuropa an menschliche Behausungen gebunden sind, steht mehr das Mikroklima im Vordergrund.

 

 

 

 

Lebenszyklus von Ixodes ricinus. Die Entwicklung einer Zecke vom Ei bis zum adulten Tier kann 3-6 Jahre dauern. (Bild: © Nina Littwin)